Schatzbergung in der Nordsee (2005)
Schon im Sommer 2002 entstand bei Schiffer und Taucher Harald ("Hübi") Hübner der Plan ein bestimmtes Wrack in der Nordsee anzugehen und die darin verborgenen Schätze zu bergen. Die Idee wurde aufgrund Bedenken wegen der Eigentumsverhältnisse an diesem Wrack zunächst "ad akta" gelegt.
"Hübi" ließ das Jagdfieber jedoch nicht los und er begann zusammen mit seiner Frau Dr. Friederike ("Fritzi") Hübner eine aufwendige Recherche über das Wrack und die Rechtslage an der Fundstelle. Nachdem sich herauskristallisierte, dass die angeblichen Eigentumsansprüche anderer nur "heiße Luft" waren, ging die schwierige Suche nach einem guten Team los. Schwierig war es besonders, da alles noch "under cover" geschehen sollte. Die Team-Mitglieder verpflichteten sich alle zur Verschwiegenheit und es fanden mehrere Team-Besprechungen statt. Zunächst an Bord unseres Expeditionsschiffes, dann auch in den Räumen der "Tauchschule am Kreidesee" (Hemmoor). Es wurden viele Probleme gewälzt, Lösungen gesucht, Material gesichtet, Sponsoren gesucht etc.
Mitte April ging es zur ersten "scharfen" Fahrt. Ausgerüstet mit Sidescan-SONAR und Video-ROV (jeweils geliehen von einem der Sponsoren) ging es Richtung westliche Deutsche Bucht. Dank des Sidescan-SONARS gelang es das Wrack trotz erheblicher Ablage zur kartigrafierten Position zu finden. Erste Tauchgänge ergaben bei sehr guter Sicht (ca. 15 Meter) einen Eindruck über die Lage und Situation des Wracks. Es ist erheblich zerstört. Die Bordwände sind nach außen weggefallen und lediglich die Expansionsdampfmaschine, vier Kessel, der Achtersteven und die Windenanlage auf dem Vorschiff sowie der abgerissene Bug sind über den harten Sandboden erhaben.
Eins war nun klar: es müssen viele Kubikmeter Sand bewegt werden, bevor man an die Schätze gelangt! Zu diesem Zweck hat das Team eine leistungsstarke Pumpe gekauft, die nun erstmalig ausprobiert wurde. Das Ergebnis war sensationell! Die Pumpe saugte so stark, dass große Sorge bestand, dass Taucher mit Gerät, Anzug oder Händen in den Saugrüssel geraten könnten. Zur Sicherheit wurde ein sehr grobes Sieb angebracht.
Die größten Probleme des Teams - auch noch während der zweiten Expedition in der zweiten Mai-Hälfte - waren:
- Wetter (häufig 5-6 Bf. und 1,5 Meter See),
- Strömung (nur ca. 30 Minuten Ruhe, ansonsten ca. 1,5 - 2 Knoten Strom),
- Kabelführung vom Expeditionsschiff MS-Gotland zum Wrack, um die Pumpe betreiben zu können
- Verfügbarkeit der Team-Mitglieder zu den Bergungsfahrten
und dann war da noch die Sache mit der Goldmünze...
Kurz bevor die zweite Bergungsfahrt beginnen sollte fand ein Besucher des hamburger Fischmarktes in einer Tüte ungepulter Nordsee-Krabben eine Goldmünze. Diesen Fund meldete er der Bild-Zeitung. Der zuständige Redakteur rief dann "Hübi" als Wrackspezialisten der Nordsee an und erkundigte sich nach Schätzen in der Nordsee und der Möglichkeit weitere Goldmünzen zu finden. Die sehr zurückhaltenden Aussagen von "Hübi" wurden dann in dem Bild-Artikel mit dem Hinweis, dass die MS-Gotland am nächsten Tag zu einer Bergungstour auslaufen würde, kombiniert, etwas mit Jagdfieber aufgepeppt und es entstand der lustige, aber völlig falsche Eindruck, dass wir wegen des Münzenfundes auf Schatzjagt gehen würde...
Mittlerweile ist die zweite der jeweils 14-tägigen Bergungstouren beendet und wir beginnen gerade mit der dritten Tour. Die Erfolge sind sensationell! Wir sind dank der Pumpenleistung sehr schnell in die Laderäume vorgedrungen und finden dort Laderaumverschläge und intakte Kisten Ladung! Die Bergung der Fundstücke ist mit unserem Expeditionsschiff nicht einfach, aber mittlerweile sind wir ein eingespieltes (aber viel zu kleines) Team und bewältigen die seemännischen Aufgaben ohne größere Verluste.
Es bestehen bereits Kontakte zu verschiedenen Museen, die an den Fundstücken und auch an Teilen des Wracks großes Interesse bekundet haben. In den Tauchgängen, die nicht zum "buddeln" genutzt werden können, sichten wir das Wrack und bereiten Teile für eine spätere Bergung vor.
In Kürze wird dieser Bericht überarbeitet und wird alle Probleme, Erfolge und Misserfolge beleuchten. |